Olympia nimmt mich trotz allem voll ein

Du schaust einen spannenden Film, einen Krimi. 10 vor 10, kurz bevor auskommt wer der Mörder ist, stürzt der Fernseher ab….ungefähr so kam mir meine  Situation vor. Einziger Unterschied: der Film wird nie mehr wiederholt.

Die erste Woche im Spital nahm ich kaum wahr, dafür verantwortlich waren die Schmerzmedikamente, die daraus resultierende Übelkeit und der schockähnliche Zustand. Gleichzeitig fühlte ich mich von der grossen Welle des Mitgefühl, der vielen Mails und Briefe getragen; es grosses Merci !

Der schwierigste Moment war, als ich zu Hause ankam. Mein Freund musste mich in den 3.Stock tragen… genau  an dem Tag als ich eigentlich nach Rothrist an die Einkleidung hätte fahren sollen. Dananch folgten 3 Tage  im 3. Stock „eingesperrt“, bis Stef nach Vancouver flog, und ich ins rollstuhlfähige Appartement zu meiner Mutter zog.

Hier klebe ich nun die meiste Zeit vor dem TV; Olympia nimmt mich trotz allem voll ein: ich erlebe eine  Gefühlsachterbahn. Die Eröffnungsfeier sah ich mit erstaunlicher Distanz; dann Hühnerhaut am ganzen Körper  bei Simon Ammanns erstem Streich! Defago und Cologna sah ich live! Wow!

Daneben bleibt kaum Zeit um nachzudenken;  habe die Hände voll zu tun mit der Meisterung des Alltags im Rollstuhl. Und das ist eine intensive Erfahrung: Randsteine, Bussfahrten, volle Einkaufszentren, Kino, die Dusche am Morgen, öffentliche Toiletten und vieles mehr. All diese Sachen werden zu meinem neuen Wettkampf, ein Alltagsboardercross der enormes Training bedarf… Respekt für alle, die diese Situation ihr Leben lang gut meistern müssen!!! Und: Wisst ihr, dass fast jedes  Trottoir schräg ist?

I could tell you now…

Das Herrenfinale im SBX  war für mich sehr emotional. Mit dem Sieg von Seth Wescott wurde mir bewusst, dass ICH keine Chance bekommen würde, meinen Titel zu verteidigen. Das schmerzte.

Beim Frauenfinal war mir vor lauter  Nervosität schlecht, ich war noch nie eine gute Zuschauerin, vor allem nicht jetzt. Das Rennen glänzte durch Spannung  und die Girls sind gut gefahren (bravo Olivia!) – doch nehms mir niemand übel: so ganz von  tiefstem Herzen konnte ich mich nicht für die drei Medalliengewinner, freuen, ich war vor allem froh als es vorüber war.

So, nun ist auch schon bald wieder 19.00 Uhr und die Zusammenfassung des letzten Tages kommt auf SF… Hopp Schwiz, Hopp Schwiz!

Mein Beitrag im Olympiablog von Swiss Olympic

Beitrag im 20 Minuten

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